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Gedenken an A. Schillo

pax christi war seine Heimat

"Am Ostersonntagmorgen 2007 verstarb Andreas Schillo. Andreas Schillo wurde 86 Jahre alt. Trotz schwerer Krankheit war er bis wenige Tage vor seinem Tod für pax christi aktiv. Zuletzt galt sein Engagement der Friedens- und Versöhnungsarbeit in der Region der Großen Seen in Zentralafrika. Er engagierte sich seit Gründung der deutschen Sektion im Jahre 1948 in der Bonner pax christi-Gruppe, der Bistumsstelle Köln, der Deutschen Sektion und bei Pax Christi International" Ulrich Decking, Sprecher der Bistumsstelle Köln in einem Nachruf. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem Photo von Heinz Werner Weßler sehen wir Andreas in seinem Batik-Hemd, angefertigt von den Frauen einer Pax-Christi-Gruppe in Bukavu, mit dem immer gerne er auf viele Treffen kam. So haben wir Andreas in Erinnerung behalten. Das Bild entstand 2005 während einer Sitzung der pc-Kommission im Haus von Andreas in Friesdorf. Durch einen Klick kann eine Vergrößerung angeschaut werden.

Tagebuch Dialog International, 8. April 2007

Heute morgen um 5 Uhr ist unser Freund und Mitglied von pax christi, vom Versöhnungsbund und von Dialog International Andreas Schillo im gesegneten Alter von 86 Jahren heimgerufen worden in das Reich des Heilandes, an den er Zeit seines Lebens geglaubt hat. Andreas war sozusagen bis zur letzten Minute seines Lebens der Friedensarbeit und der Afrikahilfe verpflichtet. Die letzten Stunden, schon gezeichnet von - durch Medikamente gelinderten - Schmerzen seiner Krebserkrankung, hat er im Psalmgebet und in Meditation... verbracht, - und jetzt ist dies vollbracht. Für uns ist das Leben von Andreas und vor allem sein Ende wie ein Wunder. Ein Übergang in die andere Welt am Ostermorgen. Unglaublich!

Und dann, was Andreas noch in den letzten Tagen vollbracht hat. Er war aktiv bis zum letzten Atemzug. Die letzten Worte, die er mir sagte und die ich mir sogar aufgeschrieben hatte, waren: "Ja, das hab' ich alles noch getan!" (...) Mit uns und unseren Mitgliedern verband ihn eine innige Freundschaft. Hier im Büro hat er fast täglich angerufen und wenn der Anruf ausblieb, haben wir ihn angerufen. Somit ist schon jetzt eins klar: Andreas wird uns sehr fehlen. Andreas war durchaus ein Mensch mit eckigen Kanten und keineswegs "pflegeleicht". Wenn nötig, hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Seine Urteile waren manchmal durchaus drastisch. Und sein Empfinden für Gerechtigkeit schien unbestechlich. Er konnte die einmal für richtig erkannten Zusammenhänge kompromißlos bis zum Erfolg durchhalten. Dabei nahm er nicht selten bereitwillig "Prügel" (wie er das selbst nannte) auf sich. Doch bei allem behielt Andreas sein Herz auf dem rechten Fleck. Und das schlug in den letzten Jahren vor allem für Afrika. 25 Jahre hatte er sich vorher für Frieden, Menschenrechte und Gewaltlosigkeit in Lateinamerika eingesetzt und als sich dort die Lage entspannte, folgte er seinem Vorbild, Hildegard Goss-Mayr vom Österreichischen Versöhnungsbund, und begann, in Afrika Friedensarbeit zu fördern. (...) Im Großraum Bonn lebt wohl kaum ein Afrikaner, für den nicht irgendwie der Name Andreas Schillo ein Begriff geworden ist. So ist für uns heute mit diesem Auferstehungsfest Trauer und Abschiednehmen verbunden. Aber allzuviel Trauer will Andreas sicherlich nicht. Für ihn war schon längst klar, daß er "in das jenseitige Dorf" übersiedeln mußte. Viel lieber wäre ihm, wenn wir jetzt in seinem Sinne die Arbeit fortsetzen würden, die er begonnen hat: Friedens- und Versöhnungsarbeit mit und für Afrikaner. Sein Vermächtnis ist also eine Verpflichtung für alle seine vielen Freunde, sein begonnes Werk nicht abzubrechen, sondern fortzusetzen." (Heinz Rothenpieler) -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem Photo sehen wir Andreas in etwas jüngeren Jahren auf einer Gewerkschaftsdemonstration. Andreas war auch Gewerkschafter und hat während seines aktiven Berufslebens in einem Bonner Ministerium für die Gewerkschaftsseite in der Großen Tarifkommission mitgewirkt.

Aus einem Brief von Dr.Hildegard Goss-Mayr

Ich danke Ihnen für die Nachricht über den Heimgang von Andreas Schillo! Der Ostermorgen war wirklich der rechte Tag, sein Leben, in dem so viel Auferstehung stattgefunden hat - in ihm und um ihn - in dieser Welt zu beenden und in ein neues einzutreten. Ja, er war in vieler Weise mein Freund und Weggenosse: im Ringen um die Gewaltfreiheit innerhalb von Pax Christi, in der Lateinamerika-Arbeit und schließlich in dem Engagement in Afrika.Tausende sind von ihm inspiriert und zum Umdenken und zu neuem Engagement ermutigt worden.Wir haben viel zu danken für diesen tapferen, aufrechten Freund.

Aus einem Brief von pax christi Bukavu, Ostkongo

C'est avec consternation et beaucoup de peines que nous venons d'apprendre la mort de notre cher Papa et Ami Andreas Schillo. Oui vraiment nous venons de perdre un Père de notre famille , nous,Nous sommes freres/Pc,nos enfants et nos groupes demunis qui avons été sa grande préocupation et semble-t-il sa raison de vivre sur cette terre. Nous sommes convaincus, que l'oeuvre qu'il a commencé avec determination, ne pourra jamais s'arreter. Néamoins, l'eternelle est juste et tellement sage.S'il a trouvé idéal que cet illustre Artisan de paix le rejoigne maintenant, que sa volonté soit faite et que son äme repose en paix. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Mit Bestürzung und großem Schmerz haben wir vernommen, dass unser lieber Vater und Freund Andreas Schillo gestorben ist. Wir haben in ihm einen wirklichen Familienvater verloren: wir, alle Mitglieder unserer Gruppen von Nous Sommes Fraires und Pax Christi. Andreas Schillo hat immer unsere Sorgen und Schwierigkeiten mit uns geteilt, er hat sich um uns gekümmert. Diese engagierte Arbeit für Afrika ist wohl zu seinem Lebenssinn auf dieser Erde geworden. Wir sind davon überzeugt, dass dies sein Werk für Frieden, woran er mit solcher Entschlossenheit und Energie gebaut hat, unbedingt zum Ende gebracht werden muss./vollendet werden muss. Trotz des Schmerzes müssen wir die Entscheidung vom ewigen,gerechten und weisen Gottes akzeptieren, dass er jetzt, unseren lieben Freund, Andreas Schillo, eine herausragenden Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit, zu sich gerufen hat. Wir sollen sagen, wie es im Gebet steht, dass „Sein Wille geschehe“ und dass die Seele von Andreas Schillo im Frieden ruhe. Adieu, unser lieber Andreas!

Weitsicht von Andreas Schillo

Als die Kommission "Solidarität für Zentralafrika" im März 2006 eine Stellungnahme zum Bundeswehreinsatz im Kongo abgab und daraufhin pax-christi-Generalsekretär Reinhard Voss einen persönlichen Brief von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bekam, entschloß sich Andreas Schillo am 9. Mai 2006 einen Brief an die Ministerin zu schreiben, mit seiner Idee eines Marshall-Plans für Zentralafrika. Und da er am 12.Mai 2006 zu einer Tagung nach Berlin reiste, wo auch die Ministerin sprach, nahm Andreas dort die Gelegenheit beim Schopf und sprach persönlich mit Frau Wiezcorek-Zeul über seine Idee und übergab ihr den Brief selbst. Und angeregt von den Berliner Diskussionen appellierte Andreas am 14.6.06 auch noch an die Eurac (ein europäischer Verbund von NGO's) und an das Ökum.Netz Zentralafrika Berlin, welches eine Lobbystelle Kongo in Berlin fördert zugunsten seiner Idee eines Marshallplans. Bemerkenswert ist nun, daß am 6. Mai 2008 der Landtag von NRW zwar keine Stellungnahme zu dieser Idee abgab, aber doch eine sehr interessante Resolution zur Unterstützung der Global-Marshall-Plan-Initiative der UNO zur Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele, über die sich Andreas auch sehr gefreut hätte. In vielen Dingen war Andreas vorausschauend und ist oft zielgerichtet und unbeirrt, ohne nach rechts oder links zu schauen, den Weg gegangen, um das, was er für richtig hielt, voranzubringen, wie an diesem kleinen Beispiel gezeigt werden kann.

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