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Mittwoch, 6. August 2008
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Wir frühstücken in meinem Domizil: Brot, Marmelade, Margarine und Nescafé, fast wie in Deutschland, dann aber auch Amarand- und Erbsengemüse, die restlichen Kochbananen von gestern abend, etwas Reis und tropische Früchte. Anschließend bringen wir Andreas in sein Quartier im CAP, dem protestantischen Zentrum, einige hundert Meter weiter in der Parallelstraße.Nachdem er also sein dortiges Domizil bezogen hat, sammeln wir uns wieder bei unserem Auto und fahren quer durch die Innenstadt zu einem südlichen Vorort, in der Nähe des Panzi-Krankenhauses, wo die Pax-Christi-Schule „Tunza la mayatima“ besucht werden soll. Zwar sind derzeit auch im Kongo Ferien, doch als wir ankommen, wartet schon eine stattliche Menge auf uns: Eltern, Lehrer, ehemalige Kindersoldaten und einige Schüler. Die Kindersoldaten lernen auf dem Gelände Schreinerei und haben etwa die Hälfte der sechs Schulräume bereits mit Tischen und Bänken ausgestattet. Drei Schulräume sind in ordentlichen Holzbaracken untergebracht, größer und geräumiger als das andere Gebäude vor dem Umzug bei meinem ersten Besuch vor vier Jahren, als noch 200 Kinder auf engstem Raum unterrichtet werden mußten, ohne jegliche Pausenräume im Freien.
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Da jetzt nach den Ferien mit wesentlich mehr Kindern zu rechnen ist, wurden gegenüber nochmal drei Schulräume gleicher Größe, aber unter gemieteten Zeltplanen errichtet. Nach einem Jahr hofft man, auch hier mit Holz und Wellblech festere Gebäude errichtet zu haben. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Zum Photo: Links die drei Klassenräume unter dem Zelt, rechts das überdachte Gelände für die Schreinerei. (Vergrößern: Bitte auf das Bild klicken.)
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Unter diesen Zeltplanen brennt die heiße Tropensonne unerbittlich und ich bin froh, bald wieder im Freien stehen zu können. Wie werden die Kinder hier einen ganzen Vormittag aushalten können? Neben diesen Gebäuden befindet sich die Schreinerei für die ehemaligen Kindersoldaten, die hier eifrig, unter Anleitung von zwei Ausbildern werkeln.
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Bis auf weiteres müssen sie noch Schulbänke und -tische herstellen, diese, die auf dem obigen Bild zu sehen sind, waren bei unserem Besuch gerade fertiggeworden. -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Zum Photo: Schulbänke einer Klasse in Tunza la Mayatima, von den ehemaligen Kindersoldaten hergestellt.
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Das Werkzeug ist in einer benachbarten festen und abschließbaren Holzhütte untergebracht. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem obigen Photo sind die für die Schreinerei so wertvollen Werkzeuge zu sehen, die übrigens von Spenden aus dem Andreas-Schillo-Fonds und einem Zuschuß des Landes NRW finanziert worden sind. Darüberhinaus werden für 2008 auch die Gehälter der Ausbilder gefördert und alle "Auszubildenden" bekommen am Ende ein Werkzeug-Set, um ein eigenes Handwerk beginnen zu können.
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Etwas unterhalb des Geländes, welches an einem leichten Hang liegt, sind weitere Bauarbeiten zugange. Beim näheren Hinschauen stellen wir fest, daß hier ein sehr tiefes, etwa einen halben Meter breites und drei Meter langes Loch gegraben wurde. Hier entsteht die künftige, neue Latrine. Das Loch wird dann teilweise mit Brettern bedeckt und mit einer Stange, auf die jemand klettern und sitzen muß, um sein „Geschäft“ zu erledigen. Natürlich wird noch alles mit einer Holzverkleidung versehen, sodaß man dort nicht etwa in luftiger Höhe sitzt und noch neugierigen Blicken ausgesetzt wäre. -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem nebenstehenden Photo läßt sich ein Blick in die künftige Latrine werfen.
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Die Schule liegt am Rande eines Wohnviertels. Die Zugangsstraße liegt im Süden, auf der anderen Straßenseite grenzt ein Krankenhaus das Terrain ab. Im Norden findet sich das Gebäude einer größeren Nichtregierungs-Organisation, während im Westen und Osten Wohnquartiere Nachbarn sind. Die Kinder haben etwas Platz für Spiel und Sport – anders als früher am alten Standort.Auf dem Gelände sind zwei Ruinen früherer Wohngebäude. Tunza la Mayatima ist eine Schule für inzwischen 290 ehemaliger Straßenkinder. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Das Photo zeigt den Schulleiter. Sein Büro ist noch in einem Klassenraum untergebracht, der auch zum Schulunterricht benutzt wird.
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Alle sind inzwischen entweder bei eigenen Familienangehörigen wieder untergekommen oder bei anderen Familien guten Willens. Einige dieser Familienangehörigen sind heute hier versammelt, um uns kennenzulernen. Sie benötigen etwas Unterstützung und wir versuchen schon seit längerer Zeit, dafür ein kleines Mikrokreditprogramm einzurichten. Mit etwas Glück kann uns dies in den nächsten Monaten gelingen. So mache ich keine Versprechungen, sage aber, wir würden ein solches Programm vorbereiten und hofften, daß wir ihnen dadurch Unterstützung geben könnten. Im nächsten Klassenraum warten jetzt die Kindersoldaten auf uns, die in der Schreinerei etwas weiter oberhalb arbeiten. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Photo: Die ehemaligen Kindersoldaten, die bei Tunza la Mayatima ihre Schreinerausbildung absolvieren im Gespräch mit dem "Mzungu". (also mit dem "Weißen Mann")
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Sie erzählen uns, daß sie bei lokalen Milizen eingesetzt waren. Wir können ihnen ankündigen, daß jeder, der den Kurs erfolgreich absolviert, ein Schreinerei-Set mit Handwerkszeug bekommt, um dann später selbständig weiterarbeiten zu können. Das Projekt wird vom Land NRW unterstützt. Wir verteilen ihnen und den anderen Kugelschreiber, die wir in größerer Menge mit nach Afrika genommen haben. Kugelschreiber sind hier teuer und begehrt und nicht jeder kann sich einen leisten... --------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Das obige Photo entstand nach den Gesprächen mit den Eltern bzw. Pflegeeltern der vormaligen Straßenkinder. Inzwischen lebt kein Schüler von Tunza la Mayatima mehr auf der Straße. Allerdings sind manche aufnehmenden Eltern sehr bedürftig und benötigen Unterstützung.
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In der dritten Klasse warten schon die Lehrer auf uns. Ihr Gehalt ist sehr bescheiden. 50 Dollar im Monat. Noch im letzten Jahr hatten wir dies aufgestockt, von 40 auf 50 $. Und dies ist in Bukavu wirklich nicht viel. Allein ein Taxifahrer bekommt schon 100 $ im Monat von seinem Patron. Wir machen den Lehrern Mut und kündigen ihnen einige Extras an, z.B. auch Zugang zu Mikrokrediten und vielleicht ein Gehalt auf Euro-Basis, was beim derzeitigen Sinkflug des Dollars natürlich besser wäre. Allerdings scheint im Kongo (noch) keine Dollarinflation ausgebrochen zu sein. Auch die Landeswährung Franc Congolais (FC) ist relativ stabil. Bei einer Arbeitslosigkeit von über 90 % heißt das aber nicht viel. Diese 90 % der Bevölkerung haben keine feste Anstellung. Sie halten sich durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser oder durch Kleinhandel, denn Arbeitslosengeld und ähnliches sind völlig unbekannt... Und mancher Mann bringt's sogar fertig, seine Frau für sich arbeiten zu lassen und liegt selbst lieber in der Sonne, vor allem im heißen Uvira wurde dies als Problem benannt. So kann man generell sagen: Die kongolesische Frau ist sehr fleißig, aber nicht alle Männer. Das fällt auch auf beim Tragen der Lasten. Die Frauen transportieren alle mögliche Lasten kilometerweit, oft auf dem Kopf. Ebenso die Kinder. Die Herren der Schöpfung dagegen sieht man viel seltener irgendwelche Lasten tragen.... Hier muß sich noch einiges ändern. Die Süd-Kivuiennes müssen kapieren, daß man vom Reden allein nicht satt wird... --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem Photo sind ein paar der Kinder zu sehen, die in Tunaz la Mayatima zur Schule gehen und trotz Ferien gekommen waren um die Muzungus zu begrüßen.
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Wir verabschieden uns von Tunza la Mayatima und hören, das Gelände gehöre einem Patron, dem man 50 $ Pacht im Monat zahlen müsse und außerdem könne man den Boden nur begrenzt nutzen. Gärten anlegen und Bäume pflanzen lohne sich einfach nicht, die Erträgnisse gehörten dann dem Patron... Das ist natürlich überhaupt kein zufriedenstellender Zustand. Ob das Land nicht käuflich erworben werden könne? Wieviel werde dies dann wohl kosten? Man wolle mit dem Patron sprechen. Wenn das Gelände käuflich zu erwerben sei und der Preis irgendwie erschwinglich ist (das Grundstück ist vielleicht 1 ha groß), also vielleicht nur ein paar tausend Dollar, dann müssen wir beraten, ob ein Kauf möglich ist, damit Kinder und Lehrer dauerhaft hier wirken können. Das Gelände benötigt dringend eine Bepflanzung mit Schattenbäumen, Schulgärten müßten angelegt und schließlich feste Gebäude aus Ziegelsteinen errichtet werden. Für sowas sind vielleicht sogar Zuschüsse zu bekommen. Der Gesamteindruck der bisher geleisteten Arbeit ist jedenfalls sehr gut. Das Projekt verdient jede weitere Unterstützung. Auch die Lehrer beeindrucken mich durch ihr Engagement. Sie stellen keinerlei Forderungen, wie das anderswo üblich ist. Sie beklagen sich nicht über ihr wirklich sehr niedriges Gehalt, sondern berichten von ihrer Arbeit und vor allem von ihren Plänen mit den Schülern. Man merkt einfach, trotz der äußerst bescheidenen Mittel herrscht hier ein guter Geist und die Kinder, die samt und sonders unter schwierigen Verhältnissen leben oder eine solche Vergangenheit haben, sind offensichtlich in guten Händen. Als Geschenke haben wir auch hier rund 100 Kugelschreiber mitgebracht, die hier Mangelware sind. Außerdem einige Schulmaterialien für den Mathematik- und Geometrie-Unterricht. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf dem Photo nochmal ein paar von den Steppkes für welche die ganze Schule gehalten wird.
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Bei der Rückfahrt denken wir noch einmal darüber nach, wie am besten das Gründstück erworben werden könne, damit eine optimale Nutzung möglich ist. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf diesem Abschiedsphoto sehen wir den Vorstand von Pax Christi Bukavu, einige Lehrer der Schule Tunza la Mayatima und auch einige Eltern bzw. Pflegeeltern. Vorne in der Mitte hockend Flavien, hinter ihm Angeline, die Sprecherin.
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Das wird natürlich nur mit Hilfe der Freunde aus Deutschland gelingen. Allerdings sehen wir darüberhinaus für die Errichtung von drei weiteren Schulklassen auch ein paar Fördermöglichkeiten... Also sage ich den kongolesischen Freunden: nur Mut, packen wir's an, vielleicht gelingt's... ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Die Schule Tunza la Mayatima wird bisher vom Andreas-Schillo-Fonds durch Übernahme der Lehrergehälter gefördert, die bis 2007 den äußerst bescheidenen Satz von 40 Dollar im Monat hatten. Inzwischen wurde der monatliche Betrag auf 50 Dollar erhöht, was aber für Bukavu immer noch sehr wenig ist. Allerdings stehen wir vor der Frage: entweder etwas höhere Gehälter oder mehr Lehrer - und dann plädieren die kongolesischen Partner unbedingt auf die Einstellung von mehr Lehrern... Darüberhinaus konnten wir in diesem Jahr erstmals die benachbarte Schreinerei für die ehemaligen Kindersoldaten fördern. Diese jungen Leute haben auf mich einen ausgesprochen guten Eindruck gemacht, was sicherlich auch auf die Nähe zu den Lehrern und vor allem den jüngeren Schülern von Tunza la Mayatima zurückzuführen ist. Wir hoffen, insbesondere die Lehrergehälter noch eine zeitlang fördern zu können, da hierfür keine Zuschüsse zu bekommen sind und von den Eltern auch keine Beiträge möglich sind. Der Staat zahlt im Kongo schon lange keine Lehrergehälter mehr. In "normalen" kongolesischen Schulen müssen die Eltern Schulgeld zahlen - und weil immer mehr Eltern dies nicht zahlen können, steigt die Zahl der Analpabeten rapide an. Inzwischen kann sicherlich davon ausgegangen werden, daß schon über die Hälfte der jungen Kongolesinnen und Kongolesen nicht mehr lesen und schreiben lernen...
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Ein ausführliches Tagebuch der Reise von Kommissionsmitglied H.Rothenpieler in den Ostkongo finden Sie auf untenstehender Webseite von LHL. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Photo: Die Kathedrale von Bukavu. Hier ist mir völlig rätselhaft geblieben, weshalb den Afrikanern ein schneeweißer Christus am Kreuz gezeigt wird, sowohl an der Außenwand der Kathedrale als auch hinter dem Hochaltar.