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Bericht 2008

Von der großen Politik zur Pax Christi Basisarbeit im Ostkongo

Düsseldorf, 2.Juni 2008

Ende Mai wurde in Brüssel der exilierte kongolesische Oppositionsführer J.P.Bemba, der 2006 bei den Präsidentenwahlen unterlag, im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofes verhaftet. Vorwurf an den einstigen Milizenführer: Seine Leute sollen bei einem Putsch in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik mitgemischt und die Zivilbevölkerung massakriert haben. Die Nachricht von der Verhaftung Bembas schlug wie eine Bombe im Kongo ein, wo Bemba, besonders im Norden und Westen, viele Anhänger hat. In etlichen Städten gingen die Menschen für ihn auf die Straße und besorgte Stimmen unterstellen schon dem Internationalen Strafgerichtshof, er wolle die junge Demokratie im Kongo destabilisieren mit solcher, wie man meinte, „selektiver Gerichtsbarkeit“, während viele andere, die auch keine weiße Weste hätten, z.B. der kongolesische Außenminister, in höchsten Ämtern säßen – sogar in Ruanda und Uganda, den einstigen Besatzungsmächten im Osten. Spekuliert wurde auch, Belgien habe mit der Verhaftung den „Zorn Kabilas besänftigen wollen“, der kurz zuvor noch den kompletten Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur einstigen Kolonialmacht angedroht hatte, weil der belgische Außenminister Karel De Gucht recht forsch und undiplomatisch den einstigen Kolonialherrn herausgekehrt hatte. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Karikatur: Empfindlichkeiten des Kongos bei belgischen Auftritten... (Zur Vergrößerung auf Bild klicken)

Belgien sieht gekränkt die „besonderen Beziehungen“ durch die neue chinesisch-kongolesische Freundschaft gefährdet. China will Milliarden von Dollars im rohstoffreichen Kongo investieren, in Infrastruktur und Bergwerke, was die westliche Wirtschaftswelt in Panik versetzt hat, die ihre Felle davonschwimmen sieht, zuvor selbst jedoch keinen Finger gerührt hat, um die „illegale Ausplünderung der kongolesischen Rohstoffe durch kriminelle Netzwerke“ (UNO-Bericht) während der Kongokriege und bis heute zu verhindern, eher noch daran verdient hat. Diese Ausplünderung fand und findet vor allem im rohstoffreichen Ostkongo statt. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Karikatur: Kongolesen zeigen den Chinesen freudig, wo's lang geht zum Kongo...

Dort fand im Januar indes eine bemerkenswerte Friedenskonferenz statt mit über 2.000 Teilnehmern – Staatsmänner, Parlamentsabgeordnete, Mitglieder der Zivilgesellschaft (auch von Pax Christi Bukavu) und fast sämtlicher Rebellengruppen sowie internationalen Beobachtern, die nach langem Hin und Her im Sinne der afrikanischen „Wahrheits- und Versöhnungstradition“ zu einer Friedensvereinbarung kam, die jedoch noch nicht besonders nachhaltig ist. Insbesondere konnten die Hutumilizen nicht eingebunden werden, die zwar mit UNO-Hilfe abgerüstet und nach Ruanda zurückgeschickt werden sollen, doch sie akzeptieren dies nur unter der Bedingung, daß Kagame in Kigali einen innerruandischen Dialog zuläßt, was dort aber strikt abgelehnt wird. Für das offizielle Ruanda sind die Hutus im Kongo allesamt „Völkermörder“, Schuldige am Massaker von 1994, auch wenn die meisten Mitglieder dieser Hutumilizen inzwischen später geboren sind bzw. damals noch im Kindesalter waren...

Rückschlag und Ermutigung für Pax Christi im Ostkongo

In dieser Situation organisiert Pax Christi International seit mehreren Jahren gemeinsam mit PC-Gruppen aus Belgien, Holland, Deutschland und Frankreich ein Netzwerk Große Seen von PC-Gruppen in Ruanda, Burundi, Uganda und dem Kongo, z.B. mit Friedenswochen, Radiosendungen, Seminaren, an denen oft auch der kongolesische Erzbischof Monsengwo teilnahm, Präsident von Pax Christi International, der übrigens recht gut deutsch spricht. Er wurde inzwischen als Nachfolger des verstorbenen Kardinals Etsou Bischof der Hauptstadt Kinshasa, wo er neuerdings auf seine Weise vor allem die Jugend für moralische Erneuerung und gegen Korruption mobilisiert. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Photo: Erzbischof Monsengwo mit Seminarteilnehmern bei Pax Christi in Bukavu (zur Vergrößerung auf Bild klicken)

Kein Ziviler Friedensdienst für pax christi

Mit dem Segen des Bischofs von Bukavu wollte die deutsche Sektion von Pax Christi in diesem Netzwerk Große Seen eine Stelle des Zivilen Friedensdienstes einrichten, was sinnvoll gewesen wäre, weil die kongolesische Zivilgesellschaft ganz viele Gemeinsamkeiten mit dem Basisgruppendenken der deutschen Pax-Christi-Bewegung hat – und in den Nachbarländern NRO's vom Staat recht kritisch beäugt werden. In diesem Sinne wäre Friedensarbeit, internationale Bürgerdiplomatie, dringend gebraucht worden. Das Projekt ist 2007 jedoch von der zuständigen AGEH abgeschmettert worden, um dann – mit verblüffend ähnlichem Konzept – ein halbes Jahr später als ZDF-Stelle in Bukavu für die Kommission Justitia et Pax ausgeschrieben zu werden, die indes ausschließlich kirchliche Strukturen fördern soll.

Unsere Partner in Bukavu sind darüber natürlich zutiefst enttäuscht, hatten sie doch bereits erhebliche Vorbereitungsarbeit investiert und eigentlich fest mit der baldigen Ankunft des deutschen Friedensarbeiters gerechnet - für die Stelle wollte sich der scheidende Generalsekretär Reinhard Voss bewerben. Ein kleiner Trost ist inzwischen, daß der vom unvergessenen Andreas Schillo begründete Hilfsfonds weiterhin für die Straßenkinderschule, das „Institut Tunzo la Mayatima“ die bescheidenen Lehrergehälter übernimmt für 7 Pädagogen, die 290 Schüler unterrichten. Neu ist in diesem Jahr die Förderung einer angegliederten Schreinerei für ehemalige Kindersoldaten, die – dank eines Zuschusses des Landes NRW – von 6 auf 35 Lehrlinge aufgestockt werden kann. Und wie auch schon im vorigen Jahr soll die Helferausbildung von Pax Christi Bukavu für die Traumaarbeit mit vergewaltigten Frauen, nach wie vor ein äußerst gravierendes Problem in der Region, mit einem Zuschuß für einige Seminare unterstützt werden.

Grußkarten bestellen!

Und dann sei darauf hingewiesen, daß hier noch ein guter Bestand an Grußkarten, auf Abnehmer warten. Die afrikanischen Motive sind von den Schülern aus getrockneten Bananenblättern hergestellt worden. Übrigens, ein schönes Geschenk für jede Gelegenheit und dann noch zugunsten eines guten Zwecks, denn der Erlös geht komplett in die Förderung der Tunzo-la-Mayatima-Schule und der Kindersoldatenausbildung. Bestellung (10 Karten 12 Euro plus 1,50 Porto/Verpackung) nimmt Heinz Rothenpieler entgegen: Postfach 260124, 40094 Düsseldorf, Tel.+Fax 0211-312608, Email: h.rothenpieler(at)l-h-l.org

Projekt unterstützen!

Und wer einfach so die Pax-Christi-Projekte im Ostkongo fördern möchte: Hier nochmal die Spenden-Konto-Nr.: 18895013 Pax Bank Köln, BLZ 37060193 (Pax Christi, Bistumsstelle), Verwendungszweck: Kongo, dann bitte noch die Adresse hinzufügen. Eine Spendenbescheinigung wird von der Bistumsstelle Köln am Ende des Jahres ausgestellt. (Heinz Rothenpieler, Beitrag für den Rundbrief der pax christi-Bistumsstelle Köln, Juni 2008)

Letzte Nachricht: Radio Okapi berichtet über Pax Christi Seminar in Bukavu

Am heutigen 2. Juni berichtete die im ganzen Kongo gern gehörte Station Radio Okapi (steht der UNO nahe, wird von der Schweizer Stiftung Hirondelle gefördert) über eine Tagung von Pax Christi Bukavu, die letzte Woche stattfand: Bukavu : les promoteurs de paix du Rwanda, du Burundi et du Kivu formés par Pax Christi ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Photo: Teilnehmer eines der ersten Friedensseminare von Pax Christi Bukavu 2003 (Zur Vergrößerung auf Bild klicken)

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