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Das Jahr 2010 für die Pax Christi Schule Tunza la Mayatima in Bukavu (Ostkongo)
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Mein letzter Beusch bei der Pax Christi Schule in Bukavu verlief stürmisch: 3 Grundschulklassen sind in Holzbaracken untergebracht, errichtet von unseren früheren ehemaligen Kindersoldaten, die dort das Schreinerhandwerk erlernten. Sie statteten auch alle Klassen mit Schulmöbeln aus. Doch für 3 weitere Klassen reichten die Baracken nicht. Hier muß unter Zeltplanen unterrichtet werden. Mittags wird’s darunter drückend heiß, weshalb am Nachmittag an keinen Unterricht zu denken ist. Aber die Kleinen freuen sich dann spielen zu können. Der starke Wind bei meinem Besuchstag ließ jedoch die Zeltplanen komplett zerreissen, plötzlich saßen die Kinder im Freien. Deshalb mußten an den darauffolgenden Tagen neue Zeltplanen gekauft werden.
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Doch auch aus einem anderen Grund war in diesem Jahr für das Institut Tunza la Mayatima die Ruhe vorbei. Weil wir vor zwei Jahren das schöne Grundstück neben dem Panzi-Krankenhaus nicht kaufen konnten, begann die Besitzerin einzelne Parzellen davon an andere Interessenten zu verkaufen. Bei meinem Besuch waren schon rundrum Baustellen für Wohnhäuser zu sehen und die Schule hatte nur halb soviel Platz wie vorher. Vor allem der Pausenhof fehlte und die Schreinerei der ehemaligen Kindersoldaten mußte aufgegeben werden. Allerdings hatten die bisher ausgebildeten jungen Leute alle Arbeitsplätze in örtlichen Schreinereien gefunden und einige unter ihnen hatten schon geheiratet und eine Familie gegründet. Sie gehörten – neben den Lehrern – zu den ersten Empfängern der Mikrokredite aus dem Programm mit Dialog International, gefördert vom deutschen Entwicklungshilfeministerium.
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Im Sommer kam dann die Hiobsbotschaft: Die Besitzerin wollte auch den Rest des Grundstücks als Bauland verkaufen. Entweder wir kauften jetzt – oder die Schule würde obdachlos... In den Wochen danach konnte durch Verhandlungen immerhin der Termin nochmal um ein halbes oder vielleicht sogar ein ganzes Jahr hinausgeschoben werden.
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Und dann geschah etwas, das uns vermuten läßt, daß jedes dieser Kinder einen besonderen Schutzengel hat, die jetzt allesamt aktiv wurden: Zwei Kirchengemeinden, eine katholische und eine evangelische in trauter ökumenischer Gemeinsamkeit im Bergischen Land suchten zufällig neue Projekte in Afrika und fanden unsere Schule geeignet – wollen allerdings über Dialog International fördern und haben kürzlich schon das Restgeld aus ihrem Entwicklungshilfefonds komplett zur Verfügung gestellt: 5.000 Euro für Tunza la Mayatima. Damit kann Dialog International nun einen Zuschußantrag beim deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ) stellen: Kauf „des“ oder eines anderen Grundstücks und Bau einer neuen Schule. Bei 5.000 Euro Eigenanteil können wir mit 37.500 Euro Zuschuß rechnen, wenn die kongolesischen Partner 7.500 Euro als Eigenleistung durch ihre Mitarbeit beim Bau aufbringen. Und wenn wir alles für 2 Jahre planen, liesse sich noch etwas mehr finanzieren, nebenbei auch Materialien für den Schulunterricht, für die ein dringender Bedarf besteht.
Daneben muß allerdings der Betrieb der Schule gewährleistet bleiben, denn dies wird vom deutschen BMZ nicht gefördert (offiziell ist „Schule“ staatliche Aufgabe, deswegen! Und das unabhängig davon, ob der kongolesische Staat in dem Bereich seinen Aufgaben nachkommt oder nicht...) Aber auch hier haben uns offenbar die Engel der Kinder von Tunza la Mayatima noch ein bißchen nachgeholfen und in Dortmund gleichaltrige Schüler gefunden, die jetzt vor Weihnachten noch zahlreiche Grußkarten aus getrockneten Bananenblättern von Tunza la Mayatima verkaufen wollen und dazu noch einige Pax-Christi-Friedenskerzen. Diese Initiative ermutigt uns zu hoffen, daß der Andreas-Schillo-Fonds nun auch die restlichen benötigten Mittel aufbringen kann. Wir würden uns freuen, wenn unsere treuen Freunde in den nächsten Wochen die Initiativen der Engel, die doch irgendwie wunderbar walten noch etwas verstärken würden. Einige Grußkarten (leider keine Weihnachtskarten mehr) sind noch übrig und können wir 1,50 Euro das Stück (10er Packs: 12 Euro) unter der Adresse von H.Rothenpieler, Postfach 260124, 40094 Düsseldorf, erworben werden.
Allerdings wurde uns auch eine Grundsatzfrage gestellt: Wo ist denn das Pax-Christi-Profil der Grundschule in Bukavu. Wir waren etwas verlegen, weil die Schule natürlich nach den staatlichen Lehrplanvorgaben unterrichten muß und ansonsten äußerst bescheidene Lehrmittel hat. Unterrichtssprache ist französisch. Der Unterschied zu sonstigen Schulen im Kongo besteht darin, daß dort die Eltern Schulgeld bezahlen müssen. Unsere meist Waisenkinder haben nicht solche Eltern. Sie sind froh, überhaupt zur Schule gehen zu können und haben dort eine Art Heimstatt gefunden, worüber sie sichtlich froh sind. Unsere Partner, NSF/Pax Christi Bukavu setzten in den letzten Jahren allerdings noch einige andere Akzente – und zwar wurden mit den Erwachsenen und ehemaligen Kindersoldaten Seminare durchgeführt zum Thema Friedensarbeit, Friedenswochen, Traumabewältigung, auch für vergewaltigte Frauen u.a. (Heinz Rothenpieler)
März 2010
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Noch im Februar mußten die durch den Sturm zerstörten "Zeltklassen wieder erneuert werden (siehe Bericht unten), wozu ein Teil unserer Fördermittel für 2010 genommen werden mußten.
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Erneuerung der "Zeltklasse" im Februar 2010 (Zum Vergrößern einfach aufs Bild klicken)
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Rechts das Photo eines Klassenraums nach der Erneuerung der Zelte im Februar 2010
Tunza la Mayatima - Schule für Waisenkinder im Kongo
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Schule ist im Kongo zu einer privaten Angelegenheit geworden – denn sie funktioniert nur, wenn die Eltern mit dem Schulgeld die Lehrer bezahlen können. So gehen inzwischen weit über die Hälfte aller Kinder nicht mehr zu Schule, in einem Land, das vor 25 Jahren noch zu 90 % alphabetisiert war. Auch sonst ist der Kongo Spitzenreiter in den Armutsberichten. Wo nicht genug zu Essen ist, bekommen die Kinder die kleinsten Portionen – oder gar nichts bleibt mehr übrig und sie werden lästig, besonders wenn eine Stiefmutter ins Haus kommt. Man entledigt sich, behauptet ein Kind sei „verhext“ und wirft manchmal schon sechs- und siebenjährige auf die Straße. Der Kongo hat inzwischen in den größeren Städten Zehntausend von Straßenkindern, viele von ihnen sogenannte „Hexenkinder“ - auch die Provinzhauptstadt Bukavu im Südkivu. Hinzukommen im Osten noch unzählige Kriegswaisen...
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Doch hier im Osten sind glücklicherweise noch etwas mehr soziale Netzwerke intakt als anderswo. So ist da Nous sommes frères/Pax Christi, welche sich seit knapp 10 Jahren um Straßen- und Waisenkinder kümmert. Der beste Weg, sie von der Straße zu holen ist die Schule und so hat NSF inzwischen eine Primarschule für rund 300 Kinder aufgebaut, fast alles ehemalige Straßenkinder, welche inzwischen wieder mühsam im eigenen Familienbereich (Tante, Onkel...) oder in Pflegefamilien untergekommen sind. Als ich die Schule 2004 kennenlernte, war sie in einem einzigen Gebäude untergebracht, damals etwa 200 Kinder in vier kleinen Räumen. Die Kinder saßen auf Stangen oder dem blanken Boden – und hatten draußen keinerlei Schulhof. Gleich nebenan lebten die Nachbarn. Deswegen war der Umzug 2006 auf das jetzige Gelände im Quartier Panzi ein großer Fortschritt. Eine dort bis vor kurzem angegliederte Schreinerei, die zahlreiche ehemalige Kindersoldaten zu Schreinern ausgebildet hat, versorgte die Schule dann mit Schulmöbeln (gefördert vom Land NRW) und errichtete eine Baracke für drei Klassen. Wir hatten gehofft, das Gelände kaufen und dann eine „richtige“ Schule aus Ziegelsteinen aufbauen zu können. Dafür liessen sich in Deutschland Zuschußmittel beantragen. Doch inzwischen ist in der Straße, an der die Schule liegt, ein Bauboom ausgebrochen – und zwar offenbar für kongolesische Verhältnisse betuchte Leute bauen da. Man kann sich leicht vorstellen, daß da eine Straßen- und Waisenkinderschule nicht besonders erwünscht ist. Der Grundstücksbesitzer hat kürzlich die Hälfte seines Landes verkauft und die Schule mußte sich auf dem Rest des Grundstück neu einrichten. So blieb wieder nur wenig Raum übrig, vor allem nichts zum Toben und für den Sport. Und auch die Schreinerei mußte weichen.
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Die Schule hat 7 Lehrer und einen Nachtwächter, der in solch einer Gegend nötig ist. Dieses Personal wurde bisher aus deutschen Spendenmitteln mehr schlecht als recht bezahlt. Derzeit bekommt jeder Lehrer gerade mal einen Hungerlohn und den haben wir im vorigen Jahr noch von 40 auf 50 Dollar erhöht. Inzwischen ist auch im Kongo der Mindestlohn 66 Dollar – aber die meisten Menschen besitzen eh keinen Arbeitsplatz... Und trotzdem sind die Lehrer ganz offensichtlich mit Liebe am Werk und einige habe der Schule seit Jahren die Treue gehalten. Diese besitzt nur ganz wenige Lehrmittel. Kreide ist Mangelware und im vorigen Jahr hat man sich endlich mal einen Globus geleistet und ein paar Fachbücher für die Lehrer. Außerdem sind Lehrer und einige Pflegeeltern inzwischen einem Mikrokreditsystem angeschlossen, wodurch sie kleinere Mittel für den im Kongo inzwischen äußerst verbreiteten Kleinhandel bekommen, den Familienmitglieder ausüben und so das Einkommen noch ein bißchen aufbessern können.
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Klar ist, daß die Schule morgen ihre Tore schließen müßte, wenn keine Fördermittel mehr aus Deutschland kämen. Klar ist aber auch, daß hier im letzten Jahr nur zwei Drittel der benötigten Betriebsmittel durch Spenden aufgebracht wurden – der Rest konnte noch von einer kleinen Rücklage genommen werden. Klar ist aber auch, daß wir nicht weiter kürzen können, schonmal gar nicht bei den Lehrergehältern. Und klar ist, daß sich in Tunza-la-Mayatima fröhliche Kinder finden, die wieder in Familien integriert wurden und offensichtlich gerne lernen. Budget 2009: Lehrergehälter: 4.800 Dollar / Bürobedarf, Transport: 232,50 Dollar / Lehrmaterial: 500 Dollar / Erneuerungsbedarf für die Klassen, welche unter Zeltplanen unterrichtet werden: 945,50 Dollar. Gesamtkosten: 7078 Dollar. Mit diesem Geld also konnten über 300 Kinder unterrichtet werden. Tunza-la-Mayatima ist übrigens kisuaheli und bedeutet auf deutsch soviel wie „Lebensunterhalt für Waisenkinder“ /wörtlich: Sorgen für/Essen für Waisenkinder. (Heinz Rothenpieler)
Im folgenden einige Texte in französisch, die wir als Bilderdatei bekommen haben... Zur Vergrößerung einfach draufklicken...
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