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Schulneubau bewilligt!
Wir können in Bukavu für Tunza la Mayatima ein neues Schulgebäude bauen auf eigenem Grundstück.
Osterrundbrief 2011 des Andreas-Schillo-Fonds
Auch Ostern 2011 haben wir an alle Freunde und Förderer des Andreas-Schillo-Fonds wieder einen Informationsbrief verschickt. Hier die pdf-Version.
Bericht für 2010 aus dem Andreas-Schillo-Fonds zur Förderung der Schule Tunza la Mayatima in Bukavu:
Die Entwicklung der Schule „Tunza la Mayatima“ in Bukavu von unserer Partnergruppe Pax Christi-Bukavu ist schon im Dezember-Rundbrief der Bistumsstelle Köln ausführlich beschrieben worden. Inzwischen konnte der Projektantrag für einen Schulneubau geschrieben werden, mit dem wir beim deutschen Entwicklungsministerium einen Zuschuß beantragen wollen. Noch ist nicht klar, ob dieser dort akzeptiert wird, aber Zuschüsse für Schulneubauten sind nicht ungewöhnlich, wie uns schon von der BMZ-Beratungsstelle signalisiert wurde. Das restliche Grundstück von 3.600 qm müssen wir zunächst käuflich erwerben (ein Drittel der Kosten), wenn wir kein besseres Grundstück finden. Für den Neubau hat der Architekt schon einen Plan vorgelegt: Für 6 Klassen- und einen weiteren Raum sollen rund 425 qm überbaut werden, rechtwinkling kommt dann noch das Büro des Schulleiters und ein Raum für die Lehrer hinzu, ca. 30 qm. Die Schule entspricht dem Bild, das sich überall im ländlichen Kongo findet. Die Grundmauern sollen mit Bruch-, der Rest mit Ziegelsteinen gemauert werden. Das Dach ist ursprünglich mit Wellblech geplant worden, wie in der Gegend üblich.
Doch jetzt kommt vielleicht eine kleine Überraschung: In einem anderen Projekt sollen verschiedene Ziegelsteinpressen für den Kongo beantragt werden. Für den Kivu drei und zwar für alle ehemalige Kindersoldatenprojekte. Und eins davon ist jenes von NSF/Pax Christi-Bukavu. Das würde bedeuten, damit könnten unsere Partner eine Ziegelei gründen und ehemaligen Kindersoldaten Stellen schaffen, insgesamt sicherlich über 100. Wir wissen noch nicht, ob dies bewilligt wird. Jedenfalls ist etwa 10 oder 15 km südlich von Panzi in der Region Nyangezi, wo die Straße nach Uvira an den Tanganjikasee verläuft, auf der Hochebene sehr viel flaches Land und dort werden jetzt schon auf traditionelle Weise Ziegelsteine hergestellt (ähnlich wie Holzkohle in Meilern) Die von uns geplanten gepressten Ziegelsteine müssen aber nicht unbedingt gebrannt werden, auch andere Techniken und damit andere Bindemittel sind möglich. Vor allem aber liefert die belgische Herstellerfirma auch Formen mit, damit Dachziegel hergestellt werden können, was im Südkivu seit der belgischen Kolonialzeit nicht mehr produziert wurde. Deswegen – und damit sind wir wieder beim Schulneubau, ist sogar denkbar, wenn alles zügig bewilligt wird, daß unsere Schule einst mit echten Dachziegeln gedeckt wird, spätestens aber, wenn das Wellblech verrostet ist, was in der Region recht schnell geht.
Falls diese Ziegelei gegründet werden kann, hat bereits eine Stiftung, die bisher schon Kindersoldatenprojekte gefördert hat, einen Zuschuß zugesagt. Und mit der Ziegelei könnten wir ein regelmäßiges Einkommen für Tunza la Mayatima erwirtschaften. Wir denken daran, dann unsererseits eine Stiftung zu gründen und die gesamte Schule samt Ziegelei da einzubringen. Das ist ein Gedanke, den wir mit den Partnern in Bukavu immer wieder überlegt haben. Noch ist das eine Utopie, aber wer weiß. Manchmal werden Utopien Wirklichkeit und zwar schneller als man denkt.
Anfang Februar 2011 hat Reinhard Voss, der ehemalige Generalsekretär von Pax Christi, derzeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienst für mehrere Jahre in Kinshasa tätig, den Kivu besucht und in Bukavu auch Tunza la Mayatima. In seinem Tagebuch schreibt Reinhard folgendes und wird sicherlich damit einverstanden sein, daß wir dies hier zitieren: „Montag, 7.2.2011 Wir besuchen die Schule Tanza la Mayatima beim Krankenhaus Panzi zusammen mit Flavien und Emmanuel von Pax Christi. Stolzer Befund des Direktors: 75 Prozent der derzeit 307 Schülerinnen erreichen den Übergang zur Ecole secondaire! Sie suchen ein neues Grundstück, um aus der Enge heraus zu kommen. Unser Eindruck ist der einer guten, wenn auch strengen Führung. Zwei Schülerinnen wohl der untersten Klasse waren uns begegnet und hatten uns bedeutet, man habe sie nach Hause geschickt, weil die eh schon kurzen Haare nicht geschnitten waren. Der Direktor erklärt uns auf Nachfrage, daß sonst die Gefahr von Krankheitsübertragungen auf diesem allzu engen Raume zu gross sei. Das leuchtet uns im Moment ein, ist aber auch ein Zeichen der (Raum- und Finanz-) Not des Projektes. Aktuelle Fotos schicke ich....”
Nun noch ein paar Worte zu den Finanzen. Der Andreas-Schillo-Fonds hatte am 1.1.2010 ein Vermögen von 2.622,19 Euro. Im Laufe des Jahres kamen Spenden in Höhe von 5.980,60 und Ausgaben vor allem in Bukavu für die Schule von 4.406,05 Euro. Am Ende des Jahres 2010 belief sich der Bestand auf 4.196,74 Euro. Im Januar kamen dann nochmal 1.263,45 Euro Nachzügler-Weihnachtsspenden dazu und 2.181,17 Euro wurden via Dialog International nach Bukavu überwiesen. Am 31.Januar betrug das Vermögen des Fonds 3.279,02 Euro. Hinzugefügt werden muß, daß knapp 800 Euro für den Betrieb der Schule außerhalb des Andreas-Schillo-Fonds aufgebracht wurden, sodaß die Januarüberweisung über 3.000 Euro hatte. Und einen beträchtlichen Teil der benötigten Eigenmittel für den Schulneubau haben uns die beiden Kirchengemeinden im Bergischen Land via Dialog International bereits zur Verfügung gestellt.
So können wir ganz dankbar und zuversichtlich in die Zukunft schauen - wenn wir hoffentlich vom deutschen Entwicklungsministerium den beantragten Zuschuß bewilligt bekommen. Was danach kommt, werden wir sehen. Ein Schulneubau hat übrigens noch weitere positive Folgen: Die Gebäude sollen elektrisches Licht bekommen. Dadurch ist eine Nutzung am Abend durch Erwachsenengruppen (Eltern, ehemalige Kindersoldaten usw.) möglich. Also: Weiterbildungskurse, Treffen von Aktionsgruppen, Gesprächsgruppen, von den Mikrokreditgruppen usw. Unsere Schule würde dann ein kleines Stadtteilzentrum. (Bericht von Heinz Rothenpieler an die Bistumsstelle Köln, Februar 2011)
Schreinerei für 35 ehemalige Kindersoldaten wird unterstützt
Den Andreas-Schillo-Fonds hat Andreas bis zum seinem Tod im April 2007 selbständig verwaltet und in Absprache mit den Freunden in der Bistumsstelle Köln von pax christi und in Bukavu kleine Projekte im Kongo gefördert. Das waren in der Vergangenheit kleine finanzielle Hilfen für Verwaltungskosten einzelner pax-christi-Gruppen im Kongo, Mietzuschüsse für Versammlungsräume, Reisekosten bei Tagungen... aber vor allem ein Straßenkinderprojekt in Bukavu, welches Andreas besonders am Herzen lag. Daraus ist inzwischen die pax-christi-Schule "Institut Tunzo la Mayatima" geworden, die derzeit 290 ehemalige Straßenkinder, darunter auch einige vormalige Kindersoldaten aufgenommen hat und unterrichtet. Einen Rundbrief an Spender und Förderer vom Dezember 2007 finden Sie hier:
Inzwischen ist von diesem Institut eine Schreinerei für ehemalige Kindersoldaten gegründet worden, die u.a. Schulmöbel herstellt. Diesen Frühjahr konnten wir vom Land NRW dafür einen Zuschuss für diese Schreinerei in Höhe von 6.908 Euro bewilligt bekommen - bei einem Eigenanteil aus Spendenmitteln von 2.303 Euro. Jetzt können in diesem Jahr 35 ehemaligen Kindersoldaten ausgebildet werden.
Hier eine Beschreibung des Kindersoldaten-Projektes:
Ein großes Problem im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist die Demobilisierung und Wiedereingliederung der Soldaten und speziell der Kindersoldaten. In der Vergangenheit wurden massiv Kinder aus Schulen und Familien rausgeholt und in militärische Verbände gesteckt, auch Mädchen. Inzwischen sind daraus teilweise bewaffnete Banden geworden, welche die Bevölkerung drangsalieren. Viele dieser Kinder haben ihre Schulausbildung oder Berufsausbildung abbrechen müssen und verloren ihren familiären Halt, wodurch sie nach Rückkehr von den militärischen Gruppen obdachlos wurden und auf den Straßen vagabundieren. Die Mädchen (die teilweise auch eingezogen wurden) werden sexuell ausgebeutet, wodurch sich Aids verbreitet. Unsere Projektpartner schätzen, daß allein in der Provinz Südkivu 16.000 Kindersoldaten z.T. obdachlos auf Straßen leben bzw. lebten. Davon konnte bisher das offizielle UNO-Programm für die Demobilisierung von Kindersoldaten vielleicht 5.000 erfassen und einem Wiedereingliederungsprogramm zuführen (so wenig, weil – ein Skandal der UNO und der Weltbank – Hunderte von Millionen Dollar aus diesem Programm in Kinshasa illegal zweckentfremdet wurden).
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Die Straßenkinderschule unter dem Namen Institut „Tunzo la Mayatima“ konnte im letzten Jahr größere Räumlichkeiten beziehen und inzwischen unterrichten 6 Lehrkräfte 290 vorwiegend jüngere Kinder, aber immer wieder werden auch jugendliche ehemalige Kindersoldaten aufgenommen, die oft begabt sind und in dieser Privatschule einen Schulabschluß nachholen. Für einige davon ist erstmals im letzten Jahr mit einfachsten Mitteln eine kleine Schreinerwerkstatt eingerichtet worden, wo zunächst 6 Schreiner ausgebildet wurden. Diese Arbeit möchten wir in diesem Jahr gerne ausweiten durch die Schaffung von 35 Ausbildungsplätzen. In das Programm aufgenommen werden nur ehemalige Kindersoldaten, die als Straßenkinder gefunden wurden und bisher entwurzelt waren, oder die schon vorher eine Zeit in dieser Schule waren. Ihnen soll durch die Ausbildung eine Perspektive für die Zukunft mit auf den Weg gegeben werden. Außerdem soll verhindert werden, daß die Kinder in Kriminalität abrutschen oder dauerhaft zu Vagabunden werden.
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Die Schreinerausbildung dauert ein halbes Jahr, in welchem die Jugendlichen im Alter von 15-20 Jahren die Herstellung einfacher Möbel (Tische, Stühle, Hocker, Betten, auch von Schulmöbeln) lernen. Parallel dazu sollen sie psychologisch betreut werden, weil viele von ihnen traumatisiert sind. Deshalb ist die Zahl der Ausbilder verhältnismäßig hoch. Außerhalb der Finanzierung durch dieses Projekt werden sie Gelegenheit bekommen mit Psychologen zusammenzuarbeiten. Nach Abschluß der Ausbildung ist vorgesehen, daß jeder erfolgreiche Teilnehmer ein „Kit“ mit einer handwerklichen Grundausstattung im Wert von 190 Dollar (ca. 120 Euro) bekommt, um in einem der Dörfer in der Region einen kleinen Handwerksbetrieb aufmachen zu können. Der Bedarf an Schreinern ist vorhanden, industriell angefertigte Möbel gibt’s in der Region nicht. Das „Kit“ soll u.a. eine Säge, einen Hobel, Hammer, Meißel, Winkelmesser, 5 Bretter, 2 kg Nägel, einige weitere Werkzeuge und einen Koffer enthalten. Dieses „Kit“ ist sehr wichtig, da vor allem dadurch die Nachhaltigkeit der Ausbildung gewährleistet werden kann, weil dies Grundlage für eine eigene Existenzgründung ist. Die Jugendlichen haben damit alle Voraussetzungen, um mit der Schreinerei von einfachen Möbeln für den örtlichen Bedarf beginnen zu können, wodurch sie sich ein Einkommen erwirtschaften.
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Die Schreinereiwerkstatt ist der o.g. Straßenkinderschule angeschlossen, sodaß für die Jugendlichen eine optimale Betreuung und evtl. notwendige schulische Fortbildung gegeben ist. Außerdem produziert sie auch Schulmöbel, da viele der Schüler bisher auf Holzstangen oder auf dem Boden sitzen müssen. An Personal sollen für die Laufzeit von 6 Monaten 4 Personen eingestellt werden: Ein Ausbildungsleiter/Supervisor, zwei Schreiner und eine Betreuungsperson (Sozialarbeiter, für Wiedereingliederung in Sozialverhalten, „Animateur“)
Das anzuschaffende Werkzeug für die Neueinrichtung der Werkstatt (das bisher benutzte Werkzeug wurde z.T. den fertig ausgebildeten Jugendlichen zur Existenzgründung mitgegeben) ist in einer Liste aufgeführt, die diesem Antrag als Anhang beigegeben ist. Weitere Kosten entstehen durch Koordination (Verwaltungskosten), Evaluation und kleinere Verpflegungsbeiträge für die Jugendlichen. Zu diesen Kosten gibt’s einen lokalen Eigenbeitrag in Höhe von 472 Euro, der im Eigenbeitrag von 2.302 Euro enthalten ist. Der effektive Eigenbeitrag von pax christi Bistumsstelle Köln beträgt somit rund 20 %. Hinzukommen Geldtransferkosten.
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Alle Projektausgaben werden durch Einnahme- und Ausgabebelege dokumentiert und dem Geldgeber gegenüber abgerechnet. Die bisherigen Abrechnungen für die Schule waren immer einwandfrei. Für den Erwerb der Werkzeugkoffer sollen möglichst verschiedene Angebote eingeholt werden.
Das Projekt ist auf den ersten Blick ein reines Männerprojekt, da vor allem männliche Schreiner ausgebildet werden sollen. Schreinerei ist im Kongo ausschließlich ein Männerberuf. Die Auswirkung auf Frauen ist indirekt, da die jungen Männer erstens befriedet werden, zweitens eine Perspektive für ihr Leben bekommen, drittens ihre Traumata verarbeiten können und viertens dadurch ertüchtigt werden, in ihrer Familie zu leben bzw. eine solche zu gründen. Mit dem Werkzeugkoffer, der ihnen am Ende der Ausbildung ausgehändigt wird, können sie die eigene Werkstatt aufmachen und sich eine Existenz gründen, wodurch ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft gelingen kann. Außerdem werden sie durch Aufnahme in die Ausbildung von der Straße fortgenommen und bekommen eine sinnvolle Zukunftsperspektive, wodurch sie vielleicht auch wieder von ihren Familienverbänden aufgenommen werden, die meist in der Provinz leben. Der Kontakt zur Schule und zur Ausbildungsstätte bleibt erfahrungsgemäß für eine längere Zeit bestehen und pax christi plant später gelegentlich Fortbildungen bzw. Ehemaligentreffen zu organisieren.
Spenden-Konto-Nr. 18895013 Pax Bank Köln, BLZ 37060193
Viele pax-christi-Mitglieder der Bistumsstelle Köln und weitere Freunde haben schon bisher in irgendeiner Weise diese Projektarbeit mit einer Spende oder dem Kauf der Karten unterstützt. Den Dank aus Bukavu dafür möchten wir weitergeben: „Wir müssen allen danken, die etwas opfern, um diesen gefährdeten Menschen zu helfen, den unschuldigen Opfern der Kriege, die unsere Region zerreißen. Der HErr möge Sie segnen, SEin Segen möge immer mehr zunehmen.“ Heinz Rothenpieler
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