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Hass führt zum Völkermord
Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes der deutschen Sektion von pax christi zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. 1. 2006
Der diesjährige Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus offenbart eine Besorgnis erregende Aktualität. Die iranische Staatsführung drängt mit Macht auf die Ausbildung des Antisemitismus als Staatsideologie. In kaum für möglich gehaltener Verachtung gegenüber dem Staat und der Gesellschaft Israels hat der Staatspräsident des Iran, Machmud Achmadinedschad, den Völkermord an den europäischen Juden als „Märchen“ bezeichnet und die Tilgung Israels von der Landkarte gefordert. Wer so spricht, schürt Hass. Jetzt plant die iranische Regierung eine scheinwissenschaftliche Holocaust-Konferenz mit dem Ziel, das Geschehen Auschwitz und das geschichtliche Wissen über den Holocaust anzuzweifeln und vor allem Leugner des Holocaust zu Wort kommen zu lassen.
Damit wird das antisemitische Programm einer Staatsdoktrin sichtbar. Eine solche Veranstaltung unterstützt antisemitische Tendenzen im Islam und in der politischen Kultur vieler Länder des nahen und mittleren Ostens. Sie liefert die ideologische Grundlage für eine Verschärfung des Nahostkonfliktes. Deshalb sind alle Überlegungen auf die Durchführung einer internationalen Gegenkonferenz unter Hinzuziehung arabischer und israelischer Intellektueller zu unterstützen.
Die Lehre von Auschwitz bleibt allen nachfolgenden Generationen aufgetragen: Hass führt zum Völkermord. Deshalb bedarf es eines entschiedenen Widerspruchs der Völkergemeinschaft gegen die feindlichen und menschenverachtenden Ausfälle des iranischen Präsidenten. Verharmlosung oder Relativierung der Aussagen von Präsident Achmadinedschad bestärken letztendlich die Wirkung seiner Worte. Es kann keine Toleranz gegenüber einer derartigen Ideologie geben. Denn Auschwitz begann nicht mit dem Bau der Lagerzäune. Auschwitz begann in den Köpfen der Menschen, weit vor den Jahren 1939 bis 1945. Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz am 27. Januar 1945 weist immer wieder neu auf diese historische Wahrheit hin. Von der deutschen Gesellschaft fordern wir eine fortdauernde Wachsamkeit und einen beständigen Einsatz gegen antisemitische "Umtriebe" auch in unserem Land und in den europäischen Gesellschaften.
Bad Vilbel, den 26. Januar 2006