Grußwort
pax christi
Orte des Gedenkens...
News&Infos
Erinnern für die Gegenwart
Friedensdienste
Nahost
Friedensbildung
Nord / Süd
Globalisierung
Friedenspolitik
60 Jahre pax christi
Zeitschrift
Bestellen
Intern
Nahost-Konflikt
Auf einer Kooperationstagung von pax christi und der Evangelischen Akademie Bad Boll wurden israelische Verstöße gegen das Völkerrecht kritisiert
Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bei ihrem anstehenden USA-Besuch die Nahost-Politik Obamas unterstützen und auf eine Einstellung des israelischen Siedlungsbaus drängen. Dies forderte der SPD-Abgeordnete und Nahostexperte Dr. Rolf Mützenich am Wochenende (19.-21.06.09) auf einer Tagung, die die Nahostkommission von pax christi gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll ausgerichtet hat. Die Veranstaltung widmete sich völkerrechtlichen Fragen im Konflikt zwischen Israel und Palästina.
![]() |
Die Presse stelle der Evangelischen Akademie von Bad Boll schreibt: Nach Ansicht Mützenichs bietet sich jetzt eine einmalige Chance, den
Friedensprozess im Nahen Osten voran zu bringen. Diese Chance sollten
die USA und Europa nicht verstreichen lassen. Als Grundlage neuer
Anstrengungen empfahl Mützenich, sich auf die Friedensinitiative der
Arabischen Liga zu beziehen.
Die 22 Mitglieder der Liga hatten im Jahre
2002 Israel einen umfassenden Frieden angeboten, wenn sich Israel auf
die Grenzen von 1967 zurück zieht. Von Vertreter/innen Jordaniens und
Ägyptens wurde dieses Angebot 2007 in Jerusalem erneuert. Die damalige
israelische Regierung hatte die Initiative allerdings zurückgewiesen.
»Ich bin dankbar, dass Washington dieser Initiative höchste Bedeutung
beigemessen hat«, erklärte Mützenich in Anspielung auf Obamas jüngste
Nahost-Aktivitäten. »Es ist ein wichtiges Signal für dringend notwendige
Fortschritte im Nahost-Friedensprozess.«
Über die Auswirkungen der israelischen Siedlungspolitik berichtete
Suhail Khalilieh vom Applied Research Institute of Jerusalem (ARIJ) auf
der Tagung. Seit 19 Jahren beobachtet und dokumentiert diese
palästinensische Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Bethlehem die
Siedlungspolitik Israels. Khalilieh wies darauf hin, dass sich Israel im
November 2007 bei den Verhandlungen in Annapolis zu einem Siedlungsstopp
verpflichtet habe. Dennoch seien inzwischen 51.459 neue Wohneinheiten in
den Distrikten Jerusalem und Bethlehem ausgeschrieben worden.
Auch zu der von Israel errichteten Trennmauer zu den
Palästinensergebieten nahm Suhail Khalilieh Stellung. Khalilieh
erinnerte an das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag
aus dem Jahre 2004, wonach die Mauer internationalem Recht widerspricht
und abgebaut werden muss.
Außerdem habe das Gericht die Forderung
erhoben, dass Israel für die durch den Mauerbau entstandenen Schäden
aufkommen müsse.
Die bis zu acht Meter hohe Trennmauer soll 770 km lang werden und zum
Teil weit in palästinensisches Gebiet hinein reichen, berichtete
Khalilieh auf der Akademie-Tagung. Durch die Mauer wurden seinen Angaben
zufolge inzwischen 138 palästinensische Dörfer von ihrem
landwirtschaftlich genutzten Land getrennt. 29 Dörfer seien vollständig
isoliert. Wenn die Mauer nach den israelischen Plänen fertig gestellt
wird, kämen 82 Prozent der Wasserressourcen unter israelische Kontrolle.
»Dies bedeutet«, sagte Khalilieh, »dass Palästinenser ihr
eigenes Wasser kaufen müssen. «
Auch das Israel-Bild in den Medien wurde thematisiert.
Die
Journalistin Bettina Marx, Parlamentskorrespondentin der Deutschen Welle
in Berlin, bemängelte, dass die völkerrechtswidrige Besetzung
palästinensischer Gebiete durch Israel in der Berichterstattung kaum
eine Rolle spiele. Bettina Marx warf die Frage auf, ob die Verletzung
des Völkerrechts durch Israel von den Medien bereits als
»Selbstverständlichkeit« bewertet werde oder ob es Israel gelungen sei,
das Wort »Besatzung« so gründlich aus dem eigenen Wortschatz zu
streichen, dass es selbst ausländische Beobachter für ein Unwort halten.
In Israel werden die besetzten Gebiete laut Bettina Marx seit dem
Wahlsieg von Menachem Begin im Jahr 1977 »umstrittene Gebiete« genannt.
Diese Sprachregelung hätten die meisten amerikanischen Zeitungen
übernommen. Sie selbst plädierte dafür, die Tatsache, dass Israel
palästinensische Gebiete besetzt hält, auch in der täglichen
Berichterstattung anzuführen. Israel verstoße gegen die Vierte Genfer
Konvention. Danach ist es einer Besatzungsmacht nicht erlaubt, die
eigene Bevölkerung im besetzten Gebiet anzusiedeln oder den Status Quo
des besetzten Gebiets mit Gewalt zu verändern.
Verschiedene Initiativ-Gruppen, die sich gegen die Besetzung und für
einen gerechten Frieden in Palästina und Israel engagieren, haben auf
der Tagung eine Plattform für einen »Deutschen Koordinationskreis
Palästina Israel« vorgestellt. Ziel dieses Zusammenschlusses soll sein,
das gemeinsame Engagement zu stärken und auf eine breitere Basis zu
stellen. Zu dem Bündnis gehören: Deutsch-Palästinensische Gesellschaft,
Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer
Verantwortung (IPPNW), Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost,
Palästinensische Gemeinde Deutschland, Versöhnungsbund und die
katholische Friedensbewegung pax christi.
Quelle: Evangelische Akademie Bad Boll