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Erneuter Anstieg bei deutschen Rüstungsexporten
GKKE kritisiert Lieferungen in Krisenregionen und Entwicklungsländer
Die gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) kritisiert in ihrem Bericht 2008 den erneuten Anstieg deutscher Rüstungsexporte
Alarmiert über den neuerlichen Anstieg deutscher Rüstungsexporte zeigten
sich die beiden Vorsitzenden der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE)
bei der Vorstellung des diesjährigen Rüstungsexportberichts am Montag (8.12.08) in Berlin.
„Die Welt
wird nicht sicherer durch noch mehr Waffen“, sagte Prälat Stephan Reimers, der evangelische
Vorsitzende der GKKE.
Die Ausfuhrgenehmigungen von Rüstungsgütern aus deutscher Produktion belaufen sich nach
Recherchen der GKKE im Jahr 2007 auf 8,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr, in dem
Rüstungsexporte im Wert von 7,7 Milliarden € bewilligt wurden, ist das eine Steigerung um 13
Prozent. Reimers äußerte „Befremden“ darüber, dass diese Zahlen von der Bundesregierung
bisher nicht öffentlich gemacht worden seien, obwohl sie sich zur Vorlage eines eigenen Rüstungsexportberichts
verpflichtet habe.
Als besorgniserregend bezeichnete es der katholische Vorsitzende der GKKE, Prälat Karl Jüsten,
dass erneut Lieferungen in erheblichem Umfang in Länder genehmigt wurden, die in schwere
interne oder grenzüberschreitende Gewaltkonflikte verwickelt seien. Dazu zählten etwa Afghanistan,
Indien, Israel, Nigeria, Pakistan und Thailand. Jüsten forderte die Bundesregierung auf,
ihren positiven Vorentscheid für die Lieferung von U-Booten nach Pakistan zu widerrufen und
die Zusage einer staatlichen Ausfallbürgschaft zurückzunehmen. „Dieses Geschäft überschreitet
eine Grenze, die Rechtslage und internationale Absprachen setzen.“ Zu kritisieren sei auch der
unverändert hohe Anteil von Exportbewilligungen in Entwicklungsländer. Er belaufe sich auf
mehr als 20 Prozent der einzeln erteilten Ausfuhrgenehmigungen.
Der Vorsitzende der GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte, Bernhard Moltmann, würdigte den EU
Verhaltenskodex für Rüstungsexporte, der in den zehn Jahren seines Bestehens einen Zugewinn
an wechselseitiger Information und Transparenz gebracht habe. Er forderte, den Kodex zu einem
rechtlich verbindlichen „Gemeinsamen Standpunkt“ aufzuwerten und in nationales Recht
zu integrieren.
Positiv hoben die Vertreter der GKKE internationale Initiativen zu vermehrter Rüstungskontrolle
hervor. Prälat Reimers würdigte die Einigung auf ein Verbot von Streumunition und die Unterzeichnung
der entsprechenden Konvention in Oslo Anfang Dezember als „einen Erfolg einer humanitären
Rüstungskontrolle“. Er sprach sich für eine baldige Ratifizierung des Abkommens
durch den Deutschen Bundestag aus.
In der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) arbeiten
der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und die Deutsche Kommission Justitia et Pax zusammen.
Vorsitzende: Prälat Dr. Stephan Reimers und Prälat Dr. Karl Jüsten.