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EEA3 in Sibiu - "ein Beitrag zum Zusammenwachsen Europas" durch viel Prominenz
Aber die (Nicht-)Beteiligung der Delegierten bleibt ein Problem
Der zweite Tag der 3. Europaeischen Oekumenischen Versammlung zum Thema Europa bot eine Fuelle weiterer Prominenz auf, an der Spitze den Praesidenten der Europaeischen Kommission, Manuel Barroso, der die EU als Wertegemeinschaft beschwor. Am Vormittag hatte pax christi-Vizepraesidentin Veronika Huening das Privileg, unter vier ausgesuchten Personen aus dem Publikum zu sein, die als einfache Delegierte ans Hauptmikrofon treten konnten. Sie forderte, der Gefahr einer Militarisierung Europas und einem in diesem Sinne ueberzogenen Sicherheitsbegriff entgegen zu treten: "Europa will ein Friedensprojekt sein. ...
... Das darf nicht nur nach innen, das muss auch nach aussen gelten. Wir beobachten eine gefaehrliche Tendenz, die EU zu einer Militaermacht, einer Interventionsmacht aufzubauen. Muss nicht der Protest der christlichen Kirchen dagegen mit prophetischer Stimme viel staerker sein? Muss sie nicht viel staerker fuer gewaltfreie Konfliktloesungen eintreten und ihre eigenen Kraefte anbieten zur Vermittlung in Krisen und auch in heissen Konflikten? Denn als Christen haben wir einen anderen Begriff von Sicherheit: wahre Sicherheit, die fuer uns wurzelt in der Geborgenheit in Gott. - Es war vorhin auch von Sicherheit der Energieversorgung fuer Europa die Rede. Wie weit will Europa fuer diese Energiesicherheit gehen? Wir muessen als Christen mit klarer Stimme warnen vor Sicherung mit militarischen Mitteln!"
Dem Plenum folgte das von der Assisi-Koalition durchgefuehrte Hearing (s. Vortrag von Reinhard Voss in der vorher gehenden Kurzmeldung) zum Sicherheitsverstaendnis. Es forderte mit den Unterschriften der Anwesenden "die Kirchen in Europa auf, wahre Sicherheit zu suchen und Frieden zu stiften", indem sie theologisch und ethisch die Basis fuer mehr Gerechtigkeit, Frieden und Friedensdienste, Schoepfungsbewahrung und nachhaltigeren Lebensstil legen, um den "Aufbau eines geeinten und friedlichen Europa in einem globalen Kontext" voran zu bringen.
Das Nachmittagsforum zu Europa (neben den Foren ueber Religionen und zur Migration) verfolgte weiter die Idee Europas als kulturellem und nicht nur politisch-oekonomischem Projekt. Antje Heider-Rottwilm (EKD-Oberkirchenraetin fuer Europa) zeigte sich zum Schluss des Forums begeistert ueber "sehr viel Enthousiasmus" an diesem Tag und forderte Spirituelle Kraft und Kompetenz der Kirchen beim weiteren Aufbau eines sozialen, menschlichen, partizipatorischen und nachhaltigen Europa. Diese Versammlung sei selbst "ein Beitrag zum Zusammenwachsen Europas".
Partizipatorisch aber ist die gesamte Versammlung ueberhaupt nicht. Der Unmut der Delegierten ueber mandelnde Beteiligung und Eingabemoeglichkeiten steigt. Auch die kurze Abschlusserklaerung wird kaum breit diskutiert und nur wenige Eingaben beruecksichtigen koennen. Es zeigt sich, dass aus der Sicht der normalen Delegierten der Wert der Versammlung in der internationalen und interkonfessionellen Begegnung liegt. Ein Wert, der allerdings den Aufwand, ueber 2000 "Delegierte" zu entsenden, in den Augen vieler als ueberzogen erscheinen laesst.