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Kurzmeldung

Ein Stimmungsbild aus Bethlehem nach den Ereignissen in Gaza

Ursel Kammann, pax christi-Freiwillige im Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel, berichtet über ihre Eindrücke angesichts des Bürgerkrieges im Gazastreifen: ”Gestern war ein schwarzer Tag für uns Palästinenser” - damit beschreibt meine Freundin die Ereignisse in Gaza. Sie ist übermüdet, weil sie bis vier Uhr morgens die Nachrichten im Fernsehen verfolgt hat. Und auch während meines Besuches werden wieder Nachrichten und Kommentare verfolgt. Die wichtigsten Inhalte werden für mich übersetzt. Es ist eine Sendung von Al Dschasira, die Interviews mit Bürgern und Politikern überträgt. Den Stimmen ist die Erregung anzuhören, zwei der Befragten weinen verzweifelt. ”Was ist das für eine Religion, was ist das für ein Islam, der den Bruder tötet?” sagt der eine. ”Wie will Haniye das vor Gott verantworten?” fragt ein anderer. Meine Freundin ist fassunglos: "Sie haben sie kaltblütig abgeknallt", sagt sie mehrmals. Es ist schrecklich mit den fanatischen Moslems.

Während mein Gastgeber die Sendung übersetzt, hat er Tränen in den Augen und bei einem der Beiträge ist auch die Moderatorin sichtlich um Fassung bemüht.
Die Menschen fragen, wo die guten Vertreter von Hamas sind und warum nicht die anderen Parteien den Mund aufmachen und diesem Handeln Einhalt gebieten. Es sind schlechte Menschen, heisst es, sie sagen, sie seien Hamasanhänger, aber sie folgen der Parteilinie nicht mehr.
Die Menschen haben grosse Angst, dass auch die Situation in der Westbank eskaliert. Wir sind doch Palästinenser, wir sind Brüder, wir müssen für Freiheit in unserem Land kämpfen. Damit kommt die Sprache auch auf Israel und seine Verantwortung für den jetzigen Konflikt. Israel hat den Konflikt mitbegründet, heisst es. Durch die Stärkung der Fatah hat es die Angst bei Hamas geschürt und gleichzeitig durch seine Politik die Stellung von Abu Masen geschwächt.
Aber wir hassen sie nicht, sagt der Gastgeber, wir wollen nur in Frieden leben und in Würde. Diese Bemerkung habe ich schon in so vielen Situationen gehört, und sie erstaunt mich immer wieder aus dem Mund eines Palästinensers.

Nach den Nachrichten werden Bilder gezeigt aus der Zeit, als Fatah die grosse Freiheitsbewegung war. So, als wolle man die Menschen an die guten Ziele erinnern. Ein Kinderchor singt, was die Kinder Palästinas wollen, leben wie alle anderen Kinder, mit der Freiheit zu lernen, sich überall im Land zu bewegen, ihre Rechte als Kinder und Menschen garantiert haben, mehr Krankenhäuser und Fürsorge, über ihre Geschichte lernen und mit der Aussicht, einen Staat aufbauen zu dürfen.
Wie die Situation sich weiterentwickelt, wird sich nach dem Freitagsgebet entscheiden, in der Westbank ist die Situation bisher erstaunlich ruhig geblieben.

Bethlehem, 17. Juni 2007

Quelle: Ursel Kamman "Ich arbeite für pax christi in einem Programm des Weltkirchenrates zur Überwindung von Gewalt. Der Bericht gibt meine eigene Meinung wieder und nicht unbedingt die meiner Entsendeorganisation."