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Erklärung zur Delegationsreise des Präsidiums der deutschen Sektion von pax christi nach Auschwitz vom 20. bis 24. Oktober 2004
Erinnerung als bleibende Aufgabe
Erinnerung als bleibende Aufgabe
Erklärung zur Delegationsreise des Präsidiums der deutschen Sektion von
pax christi nach Auschwitz vom 20. bis 24. Oktober 2004
Im Jahre 1964 besuchten erstmals Mitglieder der deutschen Sektion von pax christi im Rahmen einer Sühnewallfahrt Auschwitz. Diese Wallfahrt begründete eine tiefe Tradition der Auseinander-setzung mit diesem Ort, in deren Mittelpunkt bis heute die Fragen nach der je aktuellen Erinne-rung an diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit stehen. Wir Mitglieder des Präsidiums der deutschen Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi wollen mit un-serem Besuch die Tradition der Begegnung mit dem Ort Auschwitz fortsetzen.
Auschwitz ist zuerst der Ort des millionenfachen Leides, das Menschen an diesem Ort zugefügt wurde. Wir gedenken hier der Ermordeten und der Überlebenden, die zeit ihres Lebens mit den Schrecken von Auschwitz leben müssen.
An diesem Ort blicken wir aber auch dankbar zurück auf die Männer und Frauen, die vor 40 Jah-ren den Mut aufbrachten, die Mauer des Schweigens über die Verbrechen, die Deutsche an Po-len und Juden, Russen, Sinti und Roma und Menschen anderer Nationalitäten und Glaubens-überzeugungen begangen haben, zu durchbrechen. Mit ihrem Zeugnis eröffneten sie den Weg zu tiefen Begegnungen mit den überlebenden Opfern von Auschwitz, Begegnungen, die eine verantwortliche Auseinandersetzung mit den Geschehnissen dieses Ortes erst ermöglichten.
Dankbar sind wir für das Geschenk der Versöhnung, das wir Deutsche an diesem Ort empfangen durften. Die Sühnewallfahrer kamen damals als Mitglieder der Tätergeneration; sie fühlten sich empfangen als Freundinnen und Freunde. Daraus ist in den 40 Jahren eine dauerhafte Bezie-hung erwachsen, die sich über den Wechsel der Zeiten immer wieder erneuert hat. Standen vor 40 Jahren die Fragen nach Schuld, Buße und Versöhnung im Vordergrund, sind es heute vor al-lem die Fragen nach der bleibenden Bedeutung dieses Ortes für die Zukunft von Polen und Deutschen in einem gemeinsamen Europa und der bleibenden Aufgabe der Erinnerung.
Die Reise nach Auschwitz fällt in eine Zeit, in der die deutsch-polnischen Beziehungen überschattet sind von der Diskussion um ein Vertreibungszentrum, der Gründung der preußischen Treuhand und der Forderung nach Reparationszahlungen. Die Belastung aus der Geschichte Deutschlands und Polens in den Jahren 1933 bis 1945 bleibt bis in die Gegenwart hinein wirksam. Wir können uns ihr verantwortlich nur stellen, wenn wir immer wieder neu bereit sind, uns mit den Abgründen dieser Geschichte zu konfrontieren. Auschwitz ist dieser Ort. Begegnung in Auschwitz bedeutet für uns, den Blick zu richten auf einen gerechten Frieden für Deutsche und Polen in einem gemeinsamen Europa. Ein Zentrum gegen Vertreibung in Berlin und Forderungen nach Entschädigung werden dieser Aufgabe nicht gerecht und von uns abgelehnt.
Die Förderung der nachbarschaftlichen Beziehung zwischen Deutschen und Polen wird eine wichtige Aufgabe von pax christi in der Zukunft sein. Zu diesem Zweck ist mit dem Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim eine feste Zusammenarbeit vereinbart worden.
Oswiecim/Bad Vilbel, 22. Oktober 2004
Geschäftsführender Vorstand von pax christi