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Gerechter Friede schließt Gewöhnung an Gewalt aus
Stellungnahme von Pax Christi zum Friedenswort der Deutschen Bischofskonferenz
Die deutsche Sektion von pax christi nimmt das am 11. Oktober 2000 der Öffentlichkeit vorgestellte Friedenswort der Deutschen Bischofskonferenz "Gerechter Friede" als Beitrag zur friedensethischen und -politischen Diskussion nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes mit Zustimmung zur Kenntnis.
Die deutschen Bischöfe haben ihre sozialethischen, politischen und praktischen Aussagen zum Thema gerechter Frieden so konsequent vom biblischen Ethos des Gewaltverzichts her entwickelt wie noch in keinem Dokument zuvor. pax christi begrüßt die theologische Grundorientierung des Friedenswortes, dass Gewalt als Realität in dieser Welt durch Gewaltfreiheit überwunden werden kann und Gewaltanwendung immer ein schwerwiegendes Übel ist. Die Einsicht in die Ambivalenz der Gewalt bestimmt die gesamte Argumentation des Textes und bleibt auch dort maßgeblich, wo sich die Bischöfe zu Fragen humanitärer Nothilfe, legitimer Gegengewalt oder der Problematik bewaffneter Interventionen äußern. Damit setzt das neue Friedenswort Akzente, die deutlich über die politisch-pragmatischen Stellungnahmen einzelner Bischöfe zum Kosovo-Krieg im Frühjahr 1999 hinausgehen.
pax christi begrüßt, dass die Bischöfe mit dem Leitbild "gerechter Frieden" nicht nur die Vorstellung des "gerechten Krieges" denunziert haben, sondern die Bekämpfung von Gewaltursachen und den Primat der Gewaltvorbeugung ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit rücken. Daß der Text gewaltvermeidende und -vermindernde Konfliktbearbeitung als "vorrangige Verpflichtung" bezeichnet, schließt erkennbar an jene "vorrangigen Optionen" an, die im Rahmen des konziliaren Prozesses der christlichen Kirchen in den achtziger Jahren formuliert worden sind. Die Rezeption ökumenischer Versammlungen ist im neuen Friedenswort durch wiederholte Zitation belegt und zeigt, daß die Bischöfe kirchliche Friedensverantwortung als ökumenische Aufgabe begreifen.
Mit ihren Aussagen zum "Dienst an der Versöhnung" und zu "Friedensdiensten" geht das neue Friedenswort auf Handlungsfelder ein, die für pax christi exemplarische Bedeutung haben. pax christi unterstreicht die Auffassung der Bischöfe, daß es sich bei den zivilen Friedensdiensten um zivilgesellschaftliche Aufgaben handelt, die nicht "als Ausführungsorgane staatlicher Politik mißverstanden" werden dürfen.
pax christi bedauert, daß die Bischöfe zu keiner klaren Aussage zur Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem Eroberungs- und Vernichtungskrieg Hitlers 1939 bis 1945 bereit waren und damit die Chance zu einem späten, wirklich befreienden Schuldeingeständnis der Kirche verpaßt haben. Die Textpassage zu "Ehrlicher Umgang mit Schuld" enthält Rückfragen an die Kirche selbst, auf die sie eine eigene Antwort schuldig bleibt.