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Pressemitteilung (15.03.2000)

pax christi entsendet BMZ-finanzierte Fachkraft für zivile Konfliktbearbeiung nach Bosnien

Bad Vilbel, 15. März 2000



Die deutsche Sektion von pax christi hat ihre Friedensdienst-Arbeit in Bosnien erweitert. Erstmals entsendet sie mit Georg Schiel eine aus Mitteln der Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierte Fachkraft für zivile Konfliktbearbeitung nach Bosnien. Der Projektzuschuß wurde von pax christi über das Forum Ziviler Friedensdienst im Rahmen des "Südbalkan Programms" beantragt und inzwischen bewilligt.

Seit Herbst 1995 ist pax christi in Zenica präsent: Internationale und lokale Freiwillige betreuen Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern. In der ländlichen Gemeinde Begov Han wurde ein Gemeindezentrum errichtet, das inzwischen von einheimischen MitarbeiterInnen betrieben wird. In der Stadt Zenica konnten im Jahr 1999 aus Mitteln der EU und des Landes NRW 56 Wohnungen für Rückkehrer aus Deutschland, Sozialfälle und Kriegsinvaliden gebaut sowie aus Mitteln der Bundesregierung 42 Wohnungen für Minderheiten-Rückkehrer renoviert werden.

Georg Schiel ist 30 Jahre alt, stammt aus Thüringen, hat eine Ausbildung als Gärtner sowie ein Studium als Gymnasiallehrer mit den Fächern Geschichte und Sozialwissenschaften absolviert. Nach seinem zweiten Staatsexamen war er ein Jahr als pax christi-Freiwilliger im Flüchtlingslager Banlozi bei Zenica tätig. Die Vorbereitung als Fachkraft erfolgte bei der katholischen "Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe" (AGEH) in Köln.

Die Aufgabe von Georg Schiel wird sein, die Binnenvertriebenen in den Flüchtlingslagern bei der Rückkehr in ihre Heimatgemeinden oder, falls dies nicht möglich sein sollte, bei der Integration in Zenica zu unterstützten. Über vier Jahre nach dem Abkommen von Dayton leben allein in den von pax christi in Zenica betreuten Lagern und im Dorf Begov Han noch knapp 1.000 Menschen, die aus kroatisch oder serbisch dominierten Gebieten vertrieben worden sind. Sie scheuen zum Teil aufgrund der traumatischen Erlebnisse vor einer Rückkehr in die Heimatgemeinde zurück, zum Teil scheitert die Rückkehr jedoch an praktischen Problemen: Ihre Häuser sind zerstört oder beschädigt, Möbel fehlen, es ist unklar, ob im Heimatort Schule und Arbeit zur Verfügung stehen. Aufgabe von Georg Schiel ist es, diese Menschen zu beraten und sie bei der Suche nach Geldern für die Rekonstruktion ihrer Häuser zu unterstützten, vor allem aber auch, in politisch schwierigen Situationen auf offizieller Ebene Lobbyarbeit für die potentiellen Rückkehrer zu leisten. Dies geschieht in enger Verzahnung mit lokalen Behörden und internationalen Institutionen, wie dem UNHCR. Das Angebot von pax christi stößt schon jetzt auf großes Interesse bei Lagerbewohnern und individuell innerhalb Zenicas untergebrachten Binnenvertriebenen.