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Erklärung

Die Glaubwürdigkeit der Kirche ist in Frage gestellt

Erklärung des Geschäftsführenden Vorstandes von pax christi zur Seligsprechung von Papst Pius IX.

Mit Bestürzung hat die deutsche Sektion von pax christi die Seligsprechung von Papst Pius IX. durch Papst Johannes Paul II. am 3. September zur Kenntnis genommen. Bis zuletzt hatten wir gehofft, daß die zahlreichen warnenden Stimmen von Christen und Juden den Papst davon abhalten würden, diesen umstrittenen Papst zur Ehre der Altäre zu erheben. Unsere Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Mit der Seligsprechnung Pius IX. behauptet die höchste kirchliche Autorität von einem Antisemiten und Bekämpfer grundlegender Menschenrechte - auch der Religionsfreiheit - daß er "die Tugenden heldenhaft geübt und in Treue zur Gnade Gottes gelebt" habe (Katechismus der Katholischen Kirche, 828). Das Verhalten dieses Papstes gegenüber den Juden und seine Ablehnung bürgerlicher und gesellschaftlicher Freiheitsrechte stehen in einem eklatanten Widerspruch sowohl zu den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils als auch zu den Bemühungen und zahlreichen Erklärungen von Johannes Paul II., nicht zuletzt zu seinem Schuldbekenntnis am 12. März dieses Jahres. Durch die Seligsprechung von Pius IX. sehen wir die Glaubwürdigkeit des Papstes und der römisch-katholischen Kirche zutiefst in Frage gestellt. Wenn die Kirche den Gläubigen "die Heiligen als Vorbilder und Fürsprecher" (KKK 828) vor Augen stellt, kann Pius IX. nicht dazu gehören.

Wir bitten unsere Bischöfe, die kultische Verehrung dieses Mannes in den Diözesen der Bundesrepublik Deutschland nicht zu gestatten. Dadurch könnte vor allem den jüdischen Menschen ein Zeichen gegeben werden, daß wir sowohl das Eingeständnis von vielfach begangenem Unrecht durch Christen an Juden als auch die Bitten um Vergebung für diese Vergehen ernst nehmen.

Bad Vilbel, den 4. September 2000